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Was wäre, wenn …?

Empowerment
Weggabelung

Lena hat vor Kurzem die Schule abgeschlossen. Wie viele junge Menschen in Südtirol stand sie danach vor der Frage: „Wie geht es jetzt weiter?“ Während manche ihrer Freundinnen direkt zum Studium nach Innsbruck oder Wien gingen, andere ins Ausland reisten oder eine Stelle antraten, suchte Lena ihren eigenen Weg. Schritt für Schritt.

Sie begann in einer Werkstatt der Bezirksgemeinschaft. Dort arbeitete sie mit Ton. Sie formte Vasen und kleine Figuren. Beim Bemalen merkte sie, wie viel Freude ihr das kreative Arbeiten machte. Parallel durfte sie einmal pro Woche ein Praktikum im Schülerheim machen. Dort übernahm sie verschiedene Aufgaben am Empfang: Besucher/innen begrüßen, den Telefonhörer abnehmen, Unterlagen sortieren. Noch war offen, wohin sie ihr beruflicher Weg führen würde. Doch im Austausch mit ihrer Bezugsperson in der Werkstatt wurde deutlich, wie wertvoll diese praktischen Erfahrungen für sie waren, und dass gezielte Empowerment-Ansätze entscheidend sein können, um junge Menschen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben zu begleiten und zu stärken.

Auch Lenas Eltern wurden von Anfang an mit einbezogen. In regelmäßigen Gesprächen tauschten sie sich mit der Werkstatt und der Begleitperson aus. Ein erster Schritt war, auf Lenas frühere Erfahrungen aufzubauen. Sie hatte bereits Praktika in einem Lebensmittelgeschäft und in einer Bar gemacht. Ihre Kollegin dort hatte ihr einmal gesagt: „Immer locker bleiben und weitermachen.“ Dieser Satz blieb. In einem kurzen Reflexionsgespräch erinnerte sich Lena daran, und es war spürbar, wie stolz sie auf das war, was sie damals geschafft hatte. Genau hier setzt Empowerment an. Diese kleinen Erfolgserlebnisse sichtbar machen und mit positiven Selbstbildern verknüpfen. In der Werkstatt wurde gemeinsam ein individuelles Projekt erstellt. Lena wurde gefragt: „Was macht dir Freude? Was möchtest du gerne noch ausprobieren?“ Daraus entstanden konkrete Ziele für das nächste halbe Jahr, wie zum Beispiel ein weiteres Praktikum. Empowerment bedeutet auch, Alternativen aufzuzeigen. Statt Lena einfach das nächste Praktikum zuzuteilen, wurden ihr verschiedene Optionen vorgestellt. Möchte sie lieber in einem Tiergeschäft mithelfen, bei einem Imbiss oder lieber in einer Bibliothek? Lena konnte sich informieren, Fragen stellen und sich dann selbst entscheiden.

Empowerment heißt nicht, jemanden sich selbst zu überlassen. Vielmehr geht es darum, passende Unterstützung bereitzustellen, aber die Entscheidungsmacht bei der Person zu belassen. Menschen mit Beeinträchtigungen sollen auf Augenhöhe begleitet werden und die Möglichkeit haben, ihren eigenen Weg mitzugestalten. Eltern, Fachkräfte und das soziale Umfeld können diesen Prozess stärken, indem sie gemeinsam Orientierung geben, ohne zu lenken.

Lebenshilfe Südtirol