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Neues wagen

Gruppe im Zug

Der Bereich „Empowerment & Beratung“ umfasst eine Reihe von Diensten. Es sind dies das Büro für Leichte Sprache OKAY, die Beratungsstelle für Liebe und Sexualität LISEA, die Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation Trotzdem reden, die Dienststelle Italiano Segnato Adattivo in Bozen und die Persönliche Zukunftsplanung. Außerdem unterstützt und begleitet der Bereich „Empowerment & Beratung“ die Aktivitäten der Selbstvertretungsgruppe People First Südtirol.
Das vordergründige Ziel des Bereichs „Empowerment & Beratung“ liegt in der Befähigung von Menschen mit Beeinträchtigung und in der Realisierung von umfassender Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen. Befähigung und Teilhabe betreffen das Leben als Ganzes und in seinen zahlreichen Facetten und somit die Person in ihrer Gesamtheit. In den Bemühungen innerhalb des Bereichs „Empowerment & Beratung“ kommt also in erster Linie eine Grundhaltung zum Ausdruck, die sich am Menschenrecht auf die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen orientiert. Menschen mit Beeinträchtigung werden dabei unterstützt, sich selbst in erster Person zu artikulieren und einzubringen, Erfahrungen zu sammeln und Erlebnisse zu reflektieren. Lernen und Entwicklung sind wesentliche und zentrale Merkmale eines jeden Menschen, unabhängig von seinem individuellen Sosein.
Mit dem Begriff „Empowerment“ ist eine moderne, im Sinn der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sich vollziehende Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigung bestens auf den Punkt gebracht. Der Bereich „Empowerment & Beratung“ ist in der Chronologie nicht zufällig den anderen Bereichen nachgereiht. Arbeits-, Wohn- und Freizeitangebote sind älter als die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und als jenes System von Reflexionen über den Status von Menschen mit Beeinträchtigung, in das erstmals die Dimension der Bürgerrechte in den Kontext der Sozialarbeit Eingang fand. Sobald der/die „Betreuer/in“ zum/zur „Begleiter/in“ und der/die „Betreute“ zum/zur „Bürger/in“ wird, treten Begriffe wie „Selbstbestimmung“, „Mitsprache“ und „Teilhabe“ in den Vordergrund. Ist „Inklusion“ als oberstes Ziel anerkannt, so wird „Empowerment“ zum Oberbegriff der Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigung überhaupt. Für die anderen Bereiche bedeutet dies, dass alle ihre Einrichtungen und Dienste empowernde Leistungen erbringen, dem Anspruch nach als bewusste Reaktionen auf manifest oder latent entmündigende Umgangsformen.
Eine zentrale Aufgabe innerhalb des Bereichs „Empowerment & Beratung“ ist die Unterstützung bzw. die Begleitung der Selbstvertretung. Die heute 25-jährige Selbstvertretungsgruppe People First Südtirol organisiert in Eigenregie unter anderem Kurse, Publikationen und Bildungsreisen und betreibt einschlägige Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel der Sensibilisierung für die Anliegen von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie setzt sich heute aus empowerten Menschen zusammen, die selbst empowernde Kräfte und Kompetenzen entwickelt haben.
Im Bereich „Empowerment & Beratung“ sind weiters Dienste angesiedelt, deren wesentliches Ziel darin besteht, den Menschen als Gesamtperson in den Mittelpunkt zu stellen und seine Lebensqualität zu erhöhen. Dies leisten die Persönlichen Zukunftsplanungen genauso wie, etwas spezifischer, die Beratungsstelle LISEA zu Fragen rund um Freundschaft, Sexualität und Partnerschaft. Auf unmittelbare Weise mit dem Postulat der Barrierefreiheit, im konkret vorliegenden Fall mit dem Abbau kommunikativer Barrieren verknüpft sind die Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation Trotzdem reden und das Büro für Leichte Sprache OKAY. Die beiden Beratungsstellen LISEA und Trotzdem reden zeichnen sich auch durch die Einbindung von Angehörigen und schulischen wie sozialen Fachkräften aus, die so ihrerseits zu Teilhabe vorantreibenden Instanzen werden.
Der Bereich „Empowerment & Beratung“ ist als expliziter Vertreter der genannten Grundhaltung gleichzeitig ein Bereich, der Innovationen bewirbt, die auf grundsätzliche Weise auf Ermöglichung bzw. Erhöhung von Selbstbestimmung, Teilhabe und Wahrnehmung der Bürgerrechte abzielen. Die Südtiroler Sozialpolitik praktiziert allerdings trotz ihres Bekenntnisses zur Bürgerrolle beeinträchtigter Personen ein Finanzierungsmodell, das eher der Erhaltung traditioneller Strukturen und weniger der Implementierung neuartiger Initiativen und Angebote dient. In der Praxis bedeutet dies, dass der Bereich „Empowerment & Beratung“ trotz seiner aktiven Dauersensibilisierung nach wie vor nicht adäquat finanziell unterstützt wird. Deshalb wird es seine Aufgabe sein, konsequent auf die Bedeutung und den Wert der Selbstvertretung und des Abbaus von Barrieren hinzuweisen, damit innovative Zugänge und Ansätze in der Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigung ermöglicht und mitgetragen werden.

Lebenshilfe Südtirol