Der Bereich „Freizeit & Mobilität“ umfasst eine Reihe von Diensten. Es sind dies: Urlaube, Erlebniswochenenden, Sport, Freizeitklubs, Freizeitbegleitung VIVO, Nachmittagsbetreuung I kimm a im Schlerngebiet, Musikgruppe Miteinanders in Bruneck, Begleitdienst, Hausassistenz Lebenshilfe Mobil im Eisacktal, Therapeutisches Reiten und Musikpädagogische Werkstatt.
Freizeit dient bei allen Menschen der Distanzierung vom Alltag sowie der persönlichen Entfaltung und Pflege privater Kontakte. Freizeitangebote für Menschen mit Beeinträchtigung sind eine Reaktion auf die Notwendigkeit, Erschwernisse und Benachteiligungen auszugleichen, die Menschen mit Beeinträchtigung bei der Gestaltung ihrer Freizeit erleben können. Andererseits kommt es darauf an, die Voraussetzungen für eine soziale Emanzipation zu schaffen. Da Freizeitaktivitäten in vielen Fällen mit Ortswechseln verbunden sind, spielt auch die Mobilität eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung von Teilhabe.
Die Gründung der Lebenshilfe deckte sich de facto mit der Entscheidung, Menschen mit Beeinträchtigung, vor allem Kindern, Urlaube anzubieten. In der Anfangszeit wurde „Urlaub“, anders als heute, insofern noch sehr weit definiert, als gesundheitsfördernde und therapeutische Aspekte immer mitgedacht, teilweise sogar in den Vordergrund gerückt wurden. Die Erweiterung des Angebots durch die Organisierung von Sportveranstaltungen war ein logischer Schritt, da sich die Argumente zugunsten der Urlaubsaufenthalte von Menschen mit Beeinträchtigung auch auf sportliche Aktivitäten übertragen ließen.
Mit der Zeit trat das Gesundheitsparadigma zugunsten des Normalisierungsgedankens in den Hintergrund. Menschen mit Beeinträchtigung sollten dieselben Möglichkeiten haben wie alle anderen auch, Freizeit aktiv zu leben und zu gestalten. Durch Angebote der Lebenshilfe sollten sie die entsprechende Unterstützung erhalten. Einen weiteren Grundgedanken bildete das Moment der Entlastung. Familienangehörige, die selbst, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen, aber in vielen Fällen täglich Betreuungsarbeiten zu verrichten haben, sollten dank des Engagements der Lebenshilfe in den Genuss von Auszeiten kommen. Der neueste Anspruch bezieht sich auf gesellschaftliche Inklusion und differenziert zwischen separaten und teilhabenden Freizeitaktivitäten. Separate oder exklusive Angebote, die dadurch gekennzeichnet sind, dass Menschen mit Beeinträchtigung unter ihresgleichen sind, prägen das Angebot nach wie vor. Teilhabende oder inklusive Angebote setzen Vernetzungen mit anderen Vereinen oder Körperschaften voraus, die bereit sind oder in deren Interesse es liegt, sich für alle Menschen zu öffnen. Der genannten Unterscheidung liegt keine grundsätzliche Wertung zugrunde. Wenn sich die Lebenshilfe heute verstärkt um die Bildung von Netzwerken bemüht und die Vielfalt an Möglichkeiten zur Gestaltung inklusiver Freizeitangebote andenkt, ist jederzeit zu berücksichtigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung selbst in vielen Fällen separate bzw. exklusive Freizeitangebote wünschen und suchen. Angebote für Einzelpersonen sind freilich im Gegensatz zu Angeboten für Gruppen wesentlich inklusiv.
Der Bereich „Freizeit & Mobilität“ ist kontinuierlich gewachsen. Dass er mit dem Therapeutischen Reiten und der Musikpädagogischen Werkstatt auch zwei therapeutische Dienste subsumiert, hat gute Gründe. Die Nutzer/innen, zu einem großen Teil Kinder, erleben die Interaktionen mit Pferden und den Umgang mit Instrumenten als Freizeittätigkeiten, in denen Entspannung und Spaß im Vordergrund stehen. Gleichwohl handelt es sich bei den beiden Diensten um Angebote, die in der Nähe der Gesundheitsdienste angesiedelt sind. Ihre dort noch fehlende Anerkennung bzw. Verankerung wird durch die finanzielle Unterstützung der Lebenshilfe bei deren Durchführung seitens der Abteilung Soziales abgefedert. Von der Schließung dieser Lücke profitieren heute knapp 50 Personen.
Einzelne Freizeitangebote, allen voran die Urlaube und die Erlebniswochenenden, wurden im Laufe der vergangenen Jahre stufenweise ausgebaut. Dies führte zu einer Zunahme der Wahlmöglichkeiten. Gleichzeitig verzeichnet das Freizeitangebot der Lebenshilfe eine jährlich zunehmende Nachfrage, was auf eine deutliche Sichtbarkeit verweist. In der Öffentlichkeit hat es mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und spielt in der Soziallandschaft Südtirols eine zentrale Rolle. Dieser Imagezuwachs trägt dazu bei, dass auch die öffentliche Hand als Geldgeber in Bezug auf das Thema „Freizeit von Menschen mit Beeinträchtigung“ fest damit rechnet, in der Lebenshilfe einen verlässlichen und auch weiterhin aktiven Partner zu haben.
Den Bereichsteil „Mobilität“ verkörpert der Begleitdienst. Mit einem nicht der Lebenshilfe angehörigen Transportdienst verknüpft, trägt er zur Durchführung einer Dienstleistung bei, die darin besteht, Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung in die Schule sowie erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung in die sozialen Einrichtungen zu befördern. Die Autonome Provinz Bozen sowie die Bezirksgemeinschaften des Landes anerkennen mit den entsprechenden Beauftragungen das Recht der Familien auf eine Form der Entlastung, die vor allem im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine bedeutende Rolle spielt. Für die Förderung von Menschen mit Beeinträchtigung in Bezug auf deren Mobilität gibt es aber in Südtirol noch viel Luft nach oben. Das in der Nachbarprovinz Trentino bereits etablierte Projekt „Muoversi“ zeigt, dass es Möglichkeiten gibt, die Mobilität von Menschen mit Beeinträchtigung auch im Freizeitbereich zu unterstützen und zu fördern. Die einschlägigen Richtlinien im Landesgesetz zur Inklusion und Teilhabe öffnen Spielräume, um Bemühungen seitens der Politik in diese Richtung einzufordern.
Der Bereich „Freizeit & Mobilität“ kann auf eine Reihe innovativer Akzente zurückblicken und ist nach wie vor und weiterhin Innovationen gegenüber offen. Gegenwärtig ist das System allerdings ausgereizt und benötigt für weitere Entwicklungen sowohl eine bessere finanzielle Ausstattung als auch erhöhte Personalressourcen. Das Prinzip, gleichermaßen mit hauptamtlichen Mitarbeiter/inne/n, Freiwilligen und Repräsentanten der Dritten Figur zu arbeiten, hat sich bewährt und kommt dank der dadurch möglichen flexiblen Gestaltung der Angebote und Einsätze den Bedürfnissen von Menschen bestens entgegen. Die Nachfrage nach Freizeitangeboten verschiedenster Art ist jedenfalls groß und wird aller Voraussicht nach noch steigen.
Lebenshilfe Südtirol