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Wünsche verstehen und Themen benennen

Selbstvertretung
People First auf Bildungsreise

Jochen Tutzer lebt mit seinen Eltern in Auer. Er ist seit der Gründung im Jahr 2003 Mitglied von People First und seit sieben Jahren Präsident dieser Selbstvertretungsgruppe. Er hat seit vielen Jahren eine feste Anstellung bei der Firma Würth in Neumarkt. 

PE: Du bist Präsident der Selbstvertretungsgruppe People First Südtirol und als solcher Mitglied des Vorstands der Südtiroler Lebenshilfe. Welche ist deine Aufgabe in diesem Vorstand? 

Tutzer: Meine Aufgabe im Landesvorstand ist es, die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu vertreten. Am Tag der Sitzung des Vorstands bekomme ich vom People-First-Büro ein Schreiben, in dem steht, was in letzter Zeit im Büro bearbeitet wurde, was wir brauchen und was ich vorbringen soll. Manchmal kommt auch Robert oder Karin mit, um mich zu unterstützen. Heuer zum Beispiel haben wir uns auf die Europawahlen vorbereitet. Dazu wollten wir eine Broschüre veröffentlichen. Ich habe dem Vorstand davon erzählt und um Unterstützung gebeten. Diese haben wir dann auch bekommen. Ich habe auch erzählt, was wir mit der Broschüre vorhaben. Wir wollten damit in die verschiedenen Werkstätten gehen, sie dort vorstellen und für die Teilnahme an den Wahlen werben. Wir haben die Broschüre dann auch am Silvius-Magnago-Platz vorgestellt. An dem Tag war ich leider im Krankenstand und konnte daher nicht dabei sein. Der Landeshauptmann Arno Kompatscher hat unsere Gruppe aber besucht und sich erkundigt. Meine Kolleg/inn/en vom Landesvorstand sind immer sehr interessiert, was People First macht. Als ich die Präsidentschaft übernommen habe, habe ich mit der damaligen Präsidentin der Lebenshilfe, Paula Amort, ausgemacht, dass wir als People First selbständig bleiben, dass wir immer selber für uns entscheiden, dass wir vom Vorstand der Lebenshilfe nur unterstützt werden. Das funktioniert sehr gut, und der jetzige Präsident Hans Widmann hat diese Regel auch übernommen. Ich arbeite sehr gerne mit dem Vorstand der Lebenshilfe zusammen. Hans Widmann ist ein Mann mit viel Erfahrung. Er hat uns einmal auch einen Vortrag über Politik gehalten. Er hat uns erklärt, wie die Politik funktioniert. 

PE: Wer sind die Mitglieder des Vorstands von People First und wie arbeitet der Vorstand?

Tutzer: Die 12 Mitglieder des Vorstands sind von den People-First-Mitgliedern gewählt worden. Der oder die Präsident/in wird vom Vorstand gewählt. Ich bin schon das dritte Mal zum Präsidenten gewählt worden. Die Vorstandmitglieder sollen bei den Vorstandsitzungen immer dabei sein. Es können aber auch andere Mitglieder der Lebenshilfe oder Freunde dabei sein. 

PE: Welche sind die Themen, die ihr im Vorstand behandelt? 

Tutzer: Die letzten Male haben wir viel über den Monitoring-Ausschuss gesprochen, weil dieser neu gewählt wurde. In der aktuellen Legislaturperiode wird unsere Kollegin Julia Binanzer von Leonidas Sarti ersetzt. Und unser Mitglied Max Silbernagl wird die Rollstuhlfahrer im Ausschuss vertreten. Durch das Netzwerk, das wir vor einigen Jahren erstellt haben, und durch die Arbeit im Monitoring-Ausschuss ist unsere Gruppe in letzter Zeit sehr gewachsen, und es gibt immer mehr zu tun. Daher werden wir bald eine zweite Unterstützungsperson anstellen. Dann haben es Robert, Karin und Andrea hoffentlich leichter. 

PE: Möchtest du zum Schluss noch einen Wunsch äußern? 

Tutzer: Ja. Es muss unbedingt etwas auf dem Gebiet der Arbeit geschehen. Es geht nicht, dass immer noch so viele Menschen in den Werkstätten und Genossenschaften arbeiten, wo sie nur ein kleines Taschengeld statt einen normalen Lohn bekommen. Das empfinden wir als ungerecht. So kann man nie selbständig werden! 

PE: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei eurer Arbeit!

Lebenshilfe Südtirol