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Name und Programm

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Hinter dem Namen „Südtirol für alle“ steckt ein äußerst umfangreiches und vielschichtiges Informationsportal für Barrierefreiheit, das sich an Feriengäste, aber auch an die Einheimischen richtet. Sein Betreiber ist die Sozialgenossenschaft independent L. mit Sitz in Meran. „Wir machen“, so heißt es auf der einschlägigen Seite, „Südtirol für Familien mit Kleinkindern, Senioren sowie Menschen mit Behinderung zugänglich (…), bis ins kleinste Detail.“ Das Portal gliedert sich in fünf Themenbereiche. In der Rubrik „Übernachten“ finden sich Informationen zu Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätzen und anderem mehr. Die Rubrik „Essen“ listet Restaurants, Bars, Almhütten, Pubs und dergleichen auf. Unter der Rubrik „Wandern“ findet sich eine Reihe von Ausflugszielen, während die Rubrik „Entdecken“ unter anderem Sehenswürdigkeiten, Museen, Kinos und Shoppingzentren auflistet, und die Rubrik „Unterwegs“ enthält alles Wissenswerte zu Eisenbahnlinien und Seilbahnen, zum Flughafen sowie zu reservierten Parkplätzen für Menschen mit Beeinträchtigung. 
Bereits unter dem quantitativen Aspekt bietet „Südtirol für alle“ Beeindruckendes. Zur Darstellung kommen neben dem einen, weil einzigen Flughafen die 4 zentralen Bahnlinien, 40 Seilbahnen, 360 Hotels und Unterkünfte, 170 Restaurants und Gastronomieangebote, 80 kulturelle Einrichtungen, 76 Wanderungen und Ausflugsziele, 52 Wellness- und Shoppingangebote bzw. Sporteinrichtungen, 36 kinderfreundliche Angebote, 13 Natur- bzw. Nationalparkhäuser, 97 öffentliche barrierefreie Toiletten, 1.200 reservierte Parkplätze (mit eigener Finder-App) sowie 650 nützliche Adressen für Menschen mit einer Beeinträchtigung. Diese Zahlen stellen eine mehr oder weniger lang gültige Momentaufnahme dar, zumal das Portal laufender Aktualisierungen bedarf. Dies lehrt uns die Geschichte von „Südtirol für alle“.
Seine Geburtsstunde erlebte das Portal im Jahr 2004, als independent L. im Rahmen einer Anschubfinanzierung durch den Europäischen Sozialfonds ESF erstmals einen besonders für Menschen mit körperlichen oder mit sensoriellen Beeinträchtigungen attraktiven Hotelführer herausgeben konnte. Nach der Überprüfung von 1.300 Betrieben, die sich selbst als barrierefrei deklariert hatten, wurden 350 von diesen in den Online-Katalog aufgenommen, weil sie laut Bewertung der Mitarbeiter/innen von independent L. das Kriterium der zufriedenstellenden über guten bis hin zur sehr guten Zugänglichkeit erfüllten. Der ehemalige Hotelführer transformierte sich im Laufe der Zeit schrittweise zu jenem umfassenden Tourismus- und Freizeitportal, das „Südtirol für alle“ heute darstellt. Selbst wer konkrete Fragen zur Anreise beantwortet haben möchte, findet auf dem Portal die benötigten Auskünfte. „Insgesamt“, so Bereichsleiter Günther Ennemoser, „haben wir es bis heute auf 800 vor Ort verifizierte Einträge gebracht. Wir achten bei unserer Darstellung nicht nur auf digitale Barrierefreiheit, die in erster Linie sehbehinderten Menschen zugutekommt, sondern auch auf eine weitestmögliche Verbreitung, weshalb das Portal auch mit mobilen Endgeräten verwendet werden kann. Außerdem bemühen wir uns um höchstmögliche Einfachheit und Verständlichkeit. Die Benutzer/innen/zahlen bestätigen den Wert unserer Arbeit. Die Seite wird monatlich von durchschnittlich 36.000 Personen abgerufen, in Spitzenzeiten sogar von fast 100.000. Wir sind stolz darauf, dass sich unser Portal Jahr für Jahr zunehmender Beliebtheit erfreut. Dabei schätzen uns nicht nur Urlauber/innen, sondern auch Einheimische.“ 
Die nach Anfragen durchzuführenden Erhebungen werden von geschulten Mitarbeiter/inne/n übernommen. Diese machen sich ein detailliertes Bild des jeweiligen Schauplatzes vor Ort, halten Daten in Erhebungsbögen fest, digitalisieren diese Werte, illustrieren alle Informationen mit Fotoserien und tragen ihre Resultate schließlich in das Portal ein. Die Besonderheit dieser Vorgangsweise liegt darin, dass dem/der Benutzer/in objektive Daten zur Verfügung gestellt werden. Während das Attribut „behindertengerecht“ in den Hintergrund rückt, werden Maße genommen. Anhand von eruierten und sodann dokumentierten Zentimetern, Metern, Prozenten und Graden können die Benutzer/innen die jeweilige konkrete Lage der Dinge selbst und individuell beurteilen. Eine solche kann die Verbindung zwischen dem Parkplatz und dem Eingang eines Hotels, die Ausstattung eines Bads, die Eigenschaften eines Aufzugs, das Profil eines Wanderwegs, den Innenraum einer Seilbahn, das Video-Audio-Angebot eines Museums und sehr vieles andere mehr betreffen. „Es sind nicht wir“, so Günther Ennemoser, „die entscheiden, was für jemanden barrierefrei ist. Obwohl wir am Ende unserer Beschreibungen und Fotogalerien eine zusammenfassende Zugänglichkeitsbewertung mit Hilfe einer Skala von Smileys abgeben, geht es zunächst und vor allem darum, dass wir den Menschen sachliche und möglichst detaillierte Informationen zur Verfügung stellen, die sie in die Lage versetzen, selbst zu entscheiden, ob und inwieweit ein gezeigtes Angebot ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht.“ Diese Vorgangsweise kommt der Anwendung der so genannten IGVAE-Methode gleich, wobei das Akronym für „Informazione garantita per la valutazione dell’accessibilità per le proprie esigenze“ steht. 
independent L. wurde 2017 von AgID (Agenzia per l’Italia Digitale) als Bewertungsstelle für digitale Barrierefreiheit anerkannt und ließ diese Fachkompetenz bei der Gestaltung von „Südtirol für alle“ einfließen. Außerdem genießt das Portal einen Best-Practice-Status auf europäischer Ebene. Die Arbeit daran ist eine kontinuierliche. Eine der in der letzten Zeit auffallendsten Aktualisierungen betraf den Zugbahnhof in Brixen, wo eine Reihe von Umbauten durchgeführt worden war, bei denen die Techniker von independent L. auch beratend zur Seite gestanden waren. Parallel zum Portal verfügt independent L. über einen Informationsschalter, über den telefonische und E-Mail-Korrespondenzen möglich sind, wenn Personen, vorwiegend Benutzer/innen des Portals „Südtirol für alle“, gezielte Anfragen haben. Ebenfalls ergänzend zum Portal stellt independent L. mit „Barrierefreies Naturerlebnis für alle“ (mit 45 Wandervorschlägen) und „Barrierefreies Kulturerlebnis für alle“ (mit der Beschreibung von 80 Einrichtungen) zwei Printprodukte bereit, beide sowohl in deutscher wie auch in italienischer Version, die am eigenen Sitz in Meran kostenlos erhältlich sind. 
Die independent-L.-Mitarbeiter/innen wandeln den Namen des Portals zwischendurch gerne zum Motto „Gastfreundschaft für alle“ ab. Denn genau das ist es, was zu erreichen beansprucht wird: jeder Gast soll sich in unserem Land wohlfühlen, immer auf dem Hintergrund dessen, was er im Vorfeld zur Kenntnis nehmen konnte und welche Entscheidungen er für seinen Urlaub traf. 

Lebenshilfe Südtirol