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Aus der Sicht eines Betriebs

Arbeitsinklusion
Die Gesprächspartner

Die Dr. Schär AG ist bekannt dafür, dass ihr ein inklusives Leben seiner Mitmenschen am Herzen liegt. Ihre Philosophie liegt in dem Glauben, dass jeder Mensch das Recht hat, am Arbeitsleben teilzuhaben. Sie übernimmt damit gesellschaftliche Verantwortung und fördert Chancengleichheit und Inklusion am Arbeitsplatz. Ich habe eine Verabredung mit Herbert Spechtenhauser, Personalchef des Unternehmens. Von ihm möchte ich mehr über das Zusammenleben der Mitarbeiter/innen im Betrieb erfahren. 
Ich bin ein wenig zu früh da. Am Eingang empfängt mich eine freundliche Dame, bei der ich mich vorstelle und die mir einen Platz auf einer Bank anbietet, wo ich auch etwas zu lesen finde. Während ich dasitze, beobachte ich, wie ein stattlicher junger Mann, von dem ich gleich erfahren werde, dass er Fabian heißt, die Stufen zum Eingang herunterkommt und wartet. Kurz darauf fährt ein zweiter junger Mann, Moritz, in seinem Rollstuhl beim Eingang herein. Fabian kommt ihm gleich entgegen. Die beiden begrüßen sich freundlich und verschwinden im Aufzug. Nach ein paar Minuten kommt auch Herbert Spechtenhauser, mein Gesprächspartner, die Stufen herab, mir entgegen und heißt mich willkommen. Während wir gemeinsam dieselben Stufen hinaufsteigen, erzähle ich ihm von meiner Beobachtung und von dem guten Gefühl, das diese beiden jungen Männer in mir ausgelöst haben. „Schön“, meint er, „dann können wir die beiden doch gleich in unser Gespräch einbeziehen, wenn es Ihnen recht ist.“ Mir war es natürlich recht! 
So sitzen wir nun zu viert um den Tisch: der Personalverantwortliche des Betriebs, Herbert Spechtenhauser, der Praktikant im Rollstuhl, Moritz, Student der letzten Klasse im Pädagogischen Gymnasium, Fabian, Student in der letzten Klasse des Sportgymnasiums, ebenfalls Praktikant und Tutor von Moritz, und ich. Beide Studierenden sind hier, um ein Sommerpraktikum zu absolvieren, haben sich hier kennen gelernt und erzählen, dass sie inzwischen auch Freunde geworden sind. Sie fühlen sich hier gut integriert, freundlich aufgenommen und bestens unterstützt. Moritz erzählt, dass er bereits den zweiten Sommer als Praktikant hier verbringt, während es für Fabian die dritte Erfahrung in diesem Betrieb ist. Fabian absolviert sein Praktikum in der Personalabteilung und fungiert gleichzeitig als Tutor von Moritz. „Uns ist“, so Herbert Spechtenhauser, „der soziale Aspekt in der Arbeit allgemein sehr wichtig. Die beiden verstehen sich sehr gut, was von den Mitarbeiter/inne/n mit Wohlwollen beobachtet wird, und eine gute Inklusion, die gegenseitigen Respekt, Wertschätzung und Zusammenarbeit voraussetzt, fördert.“ Und er erklärt, wie wichtig bei der Führung des Betriebs eine gerechte Arbeitsinklusion ist, aber auch, wie schwierig sich diese oft gestaltet. Hier in diesem Betrieb werden zum Großteil Maschinen eingesetzt, wobei die Sicherheit eine ungemein wichtige Rolle spielt. Den Begriff „Sicherheit“ höre ich während unseres Gespräches immer wieder. Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung haben kaum die Möglichkeit, solche Geräte zu bedienen. Viele dieser Maschinen sind inzwischen automatisiert, was dazu führt, dass weniger Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung zur Verfügung stehen. Trotzdem versucht der Betrieb, bestmöglich die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass auch Menschen mit einer Beeinträchtigung einbezogen werden können. Moritz beispielsweise unterstützt die Mitarbeiter/innen in der Verwaltung. „Wichtig ist uns“, so Herbert Spechtenhauser, „dass Mitarbeitende mit einer Beeinträchtigung gezielt unterstützt und eingebunden werden. So können sie produktiv und kompetent sein und gleichzeitig sowohl persönlich wie auch beruflich wachsen, das heißt Kompetenzen erlernen und vor allem auch Selbstvertrauen gewinnen. Und wir setzen alles daran, dass unsere Mitarbeiter/innen mit einer Beeinträchtigung gleichwertige Mitarbeiter/innen werden. Es ist dabei so wichtig, dass sie sich selbst auch einbringen, indem sie ihre Position nicht als eine benachteiligte erleben, sondern die Chance erkennen und sich mit einer möglichst positiven Einstellung den Herausforderungen stellen.“ 
Um eine gute Inklusion im Betrieb sicherzustellen, hat das Gebäude barrierefreie Zugänge, stellt adaptierte Arbeitsmittel zur Verfügung und sieht flexible Arbeitszeiten vor, die den jeweiligen Bedürfnissen gerecht werden wollen. 
Auf meine Schlussfrage, ob die Dr. Schär AG den Vorsatz hat, auch in Zukunft Menschen mit Beeinträchtigung als Mitarbeiter/innen einzustellen, antwortet Herbert Spechtenhauser: „Aufgrund unserer Grundhaltung und unserer Erfahrungen werden wir immer Menschen mit Beeinträchtigung in unseren Betrieb aufnehmen. Es geht darum, dass wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung stellen, Chancengleichheit und Inklusion am Arbeitsplatz garantieren und auch den Schwächeren in unserer Leistungsgesellschaft einen Platz im Arbeitsleben geben.“ 
Danke, Herbert, Moritz und Fabian, für dieses schöne Gespräch, das so viel Hoffnung und Zuversicht in mir geweckt hat. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg, sowohl in eurem beruflichen wie auch in eurem privaten Leben. Möge euch eure positive Lebenseinstellung nie abhandenkommen, sondern, im Gegenteil, so stark wie möglich ansteckend wirken! 

Lebenshilfe Südtirol