PE: Welche Rolle spielen Freiwillige für die Lebenshilfe?
Schroffenegger: Freiwillige ermöglichen Inklusion. Menschen mit Beeinträchtigung können dank deren Einsatz bei den unterschiedlichsten Aktivitäten dabei sein und mitmachen. Ihre Arbeit ist für uns von zentraler Bedeutung. Sie schafft Begegnungen, die von Menschlichkeit, Nähe und gegenseitigem Respekt geprägt sind. Freiwillige bringen Zeit, Herz und gesellschaftliche Vielfalt ein. Das ist etwas, das keine Struktur und kein Budget ersetzen können. Ohne Freiwillige wären viele unserer Angebote in ihren aktuellen Formen nicht möglich.
PE: Welche Arbeiten leisten Freiwillige konkret bei der Lebenshilfe?
Schroffenegger: Die Freiwilligen der Lebenshilfe leisten einen unschätzbaren Beitrag. Einige engagieren sich in Werkstätten und Wohngemeinschaften und begleiten die Bewohner/innen beispielsweise bei Ausflügen. Andere unterstützen uns in verschiedenen Diensten, vor allem im Freizeitbereich. Dort begleiten sie unsere Klient/inn/en bei Urlauben, Erlebniswochenenden, beim Sport oder bei anderen Aktivitäten. Alle diese Einsätze sind äußerst wertvoll und tragen wesentlich zur Inklusion bei.
PE: In der Lebenshilfe wird es bald eine Dienststelle für Freiwilligenarbeit geben. Was versprichst du dir von dieser neuen Stelle?
Schroffenegger: Von dieser neuen Dienststelle erwarte ich mir eine deutliche Stärkung und Professionalisierung der Freiwilligenarbeit. Sie soll Anlaufstelle sein, sowohl für Menschen, die sich engagieren möchten, als auch für unsere Dienste und Familien. Ich wünsche mir eine bessere Koordination, gezielte Schulungsangebote, klare Rahmenbedingungen und eine Begleitung, die den Freiwilligen Sicherheit vermittelt und ihre Arbeit wertschätzt. Gleichzeitig soll die Dienststelle neue Zielgruppen ansprechen und die Sichtbarkeit freiwilligen Engagements erhöhen. Unser Ziel ist es, ein modernes, gut vernetztes Zentrum zu schaffen, das Freiwilligenarbeit langfristig sichert und weiterentwickelt.
PE: Bei welchen Diensten siehst du einen noch nicht gedeckten Bedarf an Freiwilligen?
Schroffenegger: Besonders in der Freizeitgestaltung, der Urlaubsbegleitung und den individuellen Unterstützungen, etwa beim Sport, bei Hobbys oder kulturellen Aktivitäten, könnten wir weitere Freiwillige gut einsetzen. Auch in unseren Wohneinrichtungen gibt es zunehmenden Bedarf an Menschen, die Zeit schenken und soziale Teilhabe fördern. Ebenso benötigen wir Unterstützung für Sensibilisierungsarbeit, damit wir weiterhin aktiv für eine inklusive Gesellschaft eintreten können. Die Nachfrage nach persönlicher Begleitung wächst, und hier können Freiwillige entscheidend dazu beitragen, individuelle Wünsche zu erfüllen.
PE: Wie kann es der Lebenshilfe gelingen, Freiwillige zu gewinnen und langfristig zu begleiten?
Schroffenegger: Die Lebenshilfe hat mehrere Möglichkeiten, Freiwillige zu gewinnen und langfristig zu begleiten. Eine wichtige Aufgabe hat hierbei unsere Öffentlichkeitsarbeit. Sie sollte soziale Medien, Gemeinden, Schulen und Vereine einbeziehen. Zusätzlich tragen Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, Betrieben und anderen Organisationen dazu bei, freiwilliges Engagement sichtbar zu machen. Einen großen Stellenwert haben auch Informationsveranstaltungen sowie persönliche Erfahrungsberichte bereits engagierter Freiwilliger, die authentische Einblicke bieten. Interessierte können zudem auf niederschwellige Weise hineinschnuppern, etwa durch Probetage in den verschiedenen Einrichtungen und Diensten oder bei der einen und anderen Initiative. Dies alles wird von einem attraktiven Unterstützungs- und Schulungsprogramm begleitet, das Sicherheit gibt und den Kompetenzerwerb erleichtert. Besonders wichtig ist die Wertschätzung. Freiwillige sollen spüren, dass ihr Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigungen von großer Bedeutung ist und geschätzt wird. Das bildet die Grundlage dafür, dass sie sich gerne und langfristig engagieren. Vergessen wir nicht, dass Freiwilligenarbeit ein Geschenk ist, für jene, die sie erhalten, und für jene, die sie geben. Für jeden einzelnen Menschen, der sich einbringt, empfinde ich große Dankbarkeit. Gemeinsam können wir auch künftig ein Umfeld schaffen, in dem Menschen mit Beeinträchtigung selbstbestimmt leben, teilhaben und wachsen können.
Lebenshilfe Südtirol